Les Portes du Soleil
Diese Wintersportregion, länderübergreifend in der Schweiz und in Frankreich (ab Seite 530) an den »Pforten der Sonne« gelegen, ist tatsächlich beinahe astronomisch groß, auch wenn die Gipfelhöhen der Berge hier bestenfalls alpines Mittelmaß erreichen. Sie gliedert sich in zwei historische Landschaften, zwölf Täler, etwa doppelt so viele Gebirgsmassive und bietet dem Winterurlauber egal welcher Sportcouleur paradiesische Möglichkeiten.
Bei einer Gesamtfläche von rund 400 Quadratkilometern, mehr als 600 Kilometern markierter Pisten und über 200 Kilometern präparierter Loipen empfiehlt es sich trotzdem, zunächst einmal nur den schweizerischen Anteil der riesigen Wintersportdomäne zu betrachten, ohne dabei jedoch die gesamten Portes du Soleil aus den Augen zu verlieren. Von den zwölf Orten, die sich seit den Sechzigerjahren nach und nach zur heutigen Union mit überall gültigem Skipass zusammengeschlossen haben, liegt genau die Hälfte auf eidgenössischem Territorium: ruhige, fast schon verträumte Feriendörfer in herrlicher Panoramalage wie Torgon oder Champoussin, Champéry und Morgins. Sie zählen zu den ältesten Fremdenverkehrsorten der Schweiz, beherbergten bereits vor mehr als 150 Jahren die ersten Urlaubsgäste und besitzen jenes reizvolle Flair, das für die Sommer- und Winterfrischen der ersten Generation typisch ist.
Geschichtliches
Hinzu kommt als modernes Gegenstück mit Les Crosets eine der in den Sechziger- und Siebzigerjahren aus dem Boden gestampften "Retortenstationen", wie man sie in den französischen Alpen häufiger antrifft, während das Thermalbad Val d´Illiez mit seinen 34 Grad warmen Quellen vielleicht schon in keltischer, ganz sicher jedoch in römischer Zeit ein viel besuchter Ort war. Was die jüngere Geschichte der zwölf Ortschaften betrifft, so ist die Trennung in einen schweizerischen und einen französischen Anteil ein erstaunlich neues Phänomen.
Vom 11. bis zum 16. Jahrhundert gehörte das gesamte Gebiet zu Savoyen , die endgültigen Grenzen zwischen Frankreich und der Schweiz wurden hier erst 1919 gezogen. Es gibt daher noch zahlreiche verwandtschaftliche und freundschaftliche Bande über die heutigen Staatsgrenzen hinweg, die ohnehin keine unüberwindlichen Barrieren darstellen, sondern nicht nur für die Skifahrer durchlässig sind.
Die weiße Grenze
Einen gültigen Reisepass oder Personalausweis sollte man beim Wechsel über die "weiße Grenze" zwischen der Eidgenossenschaft und Euroland bzw. in umgekehrter Richtung allerdings mit sich führen. Versuche, der lästigen Kontrolle durch gewagte Schussfahrten zu entgehen, enden fast immer schon nach kurzer Distanz mit peinlicher Befragung und Ermahnung, bei uneinsichtigen Grenzfrevlern mitunter auch mit Schlimmerem.
Auf das verlockende Angebot zu grenzenlosem Skivergnügen, mit dem die Betreiber von Liften und Seilbahnen für die Portes du Soleil werben, kann man sich in solchen Fällen sicherlich nicht unwidersprochen berufen. "Morgens in Frankreich, nachmittags in der Schweiz" (oder umgekehrt) ist aber in der Tat kein leeres Versprechen. Das perfekt ausgeklügelte Skikarussell dreht sich unablässig und lädt zum Besuch der verschiedenen Pistenreviere ein.
Möchte man innerhalb der Schweiz von Champoussin nach Morgins, über die Grenze hinweg von Les Crosets nach Avoriaz und von dort weiter nach Morzine wechseln - im detaillierten Verzeichnis der "Pistenverbindungen zwischen den Skiorten der Portes du Soleil" (bei den Fremdenverkehrsbüros erhältlich) sind die Routen mit Hinweis auf den Schwierigkeitsgrad und die Zeitdauer aufgelistet. Diese Möglichkeit zum raschen Wechsel der Pistenreviere spiegelt sich auch deutlich im Publikum der sechs Orte wider.
Insgesamt gesehen gelten zwar die Reviere auf schweizerischer Seite als sportlich weniger anspruchsvoll, trotzdem mischen sich hier unter die Skifahrerfamilien auch viele jüngere, sportlichere Fahrer, weil sie die behaglichere Atmosphäre der Walliser Orte schätzen und leicht in das Revier ihrer Wahl einwechseln können.