Arlberg: St. Anton, St. Christoph und Stuben
Vielfältige Pisten und anspruchsvolle Varianten, traditionsreiche Dörfer und trendige Apres-Ski-Bars – das sind Attribute, die ein Skigebiet für gewöhnlich nur schwer vereinen kann.
St. Anton am Arlberg schafft diesen Spagat und bietet versierten Skifahrern Möglichkeiten, wie es sie sonst nur in den Westalpen gibt – vor allem abseits der Pisten. Das ist der Grund, warum sich hier die internationale Freerider-Szene trifft und in den Bars im Ort überwiegend englisch gesprochen wird. Doch zugleich verfügt St. Anton mit der Hoteldorf-Dependance in St. Christoph auf der Passhöhe und dem nun ebenfalls zum Skiverbund gehörenden Stanzertal auch über ruhige Seiten, wo man nach wie vor eine gemütliche Tiroler Sprache und Lebensart pflegt.
Selbst penibelstes Suchen auf der Landkarte führt nicht zum Erfolg: Es gibt keinen Berg namens Arlberg. Die Bezeichnung für diese Region leitet sich aus den Bäumen ab, die hier wachsen: Es sind Bergföhren oder eben Arlen, wie die Tiroler sagen. Der Arlberg gehört zu den schneesichersten Skiregionen der Alpen: Die von Nordwesten kommenden Tiefs entladen hier, weil der Arlberg das erste ernst zu nehmende Hindernis darstellt.
Geschichtliches zum Arlberg
Dieser Schneereichtum war es auch, der schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Skifahren am Arlberg populär machte. 1901 wurde in St. Christoph der legendäre "Skiclub Arlberg" gegründet, und schon bald fanden die ersten Skirennen statt. 20 Jahre später entschloss sich der "Arlberg-König" Hannes Schneider die Skischule Arlberg zu gründen, zehn Jahre später wurde der erste Skilift Österreichs in Dienst genommen, und die Erfolgsgeschichte begann.
Obwohl es für den gesamten Arlberg längst einen gemeinsamen Skipass gibt, ist das Gebiet in der Praxis noch immer zweigeteilt: in die südliche, weitestgehend auf Tirol entfallende Seite mit St. Anton, den zu ihm gehörenden Dörfern St. Jakob und St. Christoph sowie Stuben und die "nordwestliche", rein Vorarlberger Seite mit weniger sportlichen, dafür aber mondäneren Orten Zürs und Lech. Eine reguläre Pistenverbindung zwischen diesen beiden Seiten des durch die schroffe Valluga getrennten Gebietes gibt es auch heute noch nicht.
St. Anton am Arlberg
Als St. Anton im Jahre 2001 die alpine Ski-WM ausgerichtet hat, veränderte sich das Dorfbild nachhaltig: Damals wurde die Bahntrasse mitsamt dem Bahnhof verlegt, die den Ort bis dahin in zwei Teile zerschnitten hatte. Außerdem präsentiert sich St. Anton seither mit neuem Hallenbad und Wellnessbereich, der architektonisch interessanten und 2000 Quadratmeter großen Multifunktionshalle und einer schicken Fußgängerzone. Dass man sich nicht auf den WM-Investitionen ausruht, zeigt die neue Talstation der Galzigbahn, die das Ortsbild ab dieser Saison nochmals entscheidend verändert.
In einem spektakulären Glasgebäude des Tiroler Architekten Georg Driendl rotiert ab Dezember die als Weltneuheit angepriesene Riesenrad-Seilbahn. Diese neue Technik, die von außen für jedermann sichtbar ist, ermöglicht je 24 Gästen einen ebenerdigen Einstieg in die 28 Gondeln. Jede Gondel wird über das Riesenrad auf Bodenhöhe gebracht und nach dem Einstieg wieder über das Rad nach oben gefahren. All das sieht nicht nur gut aus, sondern erhöht zugleich die Förderkapazität um das Dreifache. Das Quartierangebot ist über viele Jahrzehnte gewachsen und daher bunt gemischt: Frühstückspensionen finden sich genauso wie Fünfsterne-Hotels, es gibt bürgerliche Gasthöfe, Privatzimmer und Ferienwohnungen.
Ruhiger Urlaub am Arlberg
Dass die Preise besonders niedrig kalkuliert werden, wird niemand ernsthaft erwarten. Etwas billiger logiert man in den anderen, einige Kilometer vor St. Anton gelegenen Orten im Stanzertal; sie alle – auch das recht exklusive St. Jakob – sind per Skibus mit den Bahnen und Liftanlagen St. Antons verbunden. Neben dem finanziellen Aspekt ist auch die ruhigere Atmosphäre bei den Nachbarn für manchen Urlaubsgast ein stichhaltiges Argument bei der Quartiersuche.
St. Christoph, das kleine, auf der Arlberg-Passhöhe gelegene Dorf, ist stolz auf seine Gründung im 12. Jahrhundert, denn hier errichtete Heinrich Findelkind von Kempten eine Schutzhütte für in Bergnot geratene Durchreisende – ein Hospiz. Heute ist das Arlberg-Hospiz ein Fünfstern-Hotel. St. Christophs Bettenangebot ist, verglichen mit St. Anton, zahlenmäßig bescheiden, dafür qualitativ hochklassig; die Preise sind entsprechend.
Auch das wenige Kilometer jenseits der Passhöhe auf 1407 Meter Höhe gelegene Dorf Stuben war in seinen Anfängen Zufluchtsort für Pilger und Wanderer; von einer Wärmestube soll sich der Ortsname Stuben ableiten.
Das Beherbergungsangebot ist vergleichsweise bescheiden und auch Stubens Anteil am Skirevier ist eher klein; allerdings ist der Hausberg Albona wesentlich mehr als nur ein Anhängsel im weitläufigen Pistenkarussell.